Wie schwer ist eigentlich eine NAS Server Datenrettung?

Dienstag, 24. Januar 2017 von Michael Nuncic

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Sie denken also, die Wiederherstellung eines NAS-Servers ist eine einfache Aufgabe? Nun, denken Sie anders. NAS-Server mögen eine kostengünstige RAID-basierte Lösung sein, die sich an kleine bis mittlere Unternehmen richtet, aber technisch gesehen sind sie genauso komplex und schwierig wiederherzustellen wie einige der High-End-Speichersysteme. Da die meisten NAS-Systeme heute über moderne Funktionen verfügen, die denen von High-End-SANs ähneln, wie z. B. Deduplizierung, Virtualisierungsunterstützung und iSCSI-Targeting, liegt die Struktur der Daten in verschiedenen Schichten vor, die wiederherstellbar sein müssen und die Möglichkeit zur Rekonstruktion bieten, um schließlich an die "echten" Dateien zu gelangen.

NAS-Ausfall - was ist passiert?

Dies war der Fall, als ein Kunde kürzlich einen Ausfall seines QNAP NAS erlebte. Das auf RAID 6 basierende System bestand aus 24 Festplatten mit einer Kapazität von je 6 Terabyte.  Während der Einrichtung gab es zwei iSCSI-LUNs, die mehr als 40 und 60 Terabyte an Daten enthielten.  Jede LUN war ein iSCSI-Ziel eines Windows Server 2012 R2-Systems mit NTFS-Partitionsformatierung.  Zusätzlich wurde die Deduplizierungsfunktion von Windows Server 2012 R2 auf beiden LUNs verwendet.  Als der Kunde, eine IT-Abteilung eines großen Immobilienkonzerns, ein träges Verhalten des NAS feststellte, wurde die Entscheidung getroffen, einen harten Neustart durchzuführen.  Leider war das Ergebnis dieser Entscheidung, dass auf beide LUNs nicht mehr zugegriffen werden konnte, obwohl die Laufwerksbuchstaben angezeigt wurden.  Und was noch viel schlimmer für den Kunden war, es war überhaupt kein Backup verfügbar!

Die Datenrettung beginnt

Das war der Zeitpunkt, als der Kunde Ontrack kontaktierte.  Die Analyse des Datenrettungsprozesses ergab, dass sechs Schichten der Datenstruktur nacheinander bearbeitet werden mussten.  Ein QNAP NAS arbeitet mit einem Linux-Datensystem, daher mussten die Spezialisten zunächst die QNAP NAS RAID 6-Schicht rekonstruieren, um an das Linux Ext4-Dateisystem zu gelangen.  In diesem Ext4-Dateisystem wurden Fragmente der fehlenden LUNs gefunden und neu aufgebaut, um auf die 64 TB und 44 TB Rohdaten der LUNs zugreifen zu können.  Die Größe der einzelnen Fragmente betrug jeweils etwa 1 TB, sodass mehr als 100 große Daten-"iSCSI-Stücke" gehandhabt, strukturiert und zusammengesetzt werden mussten, um jede der beiden iSCSI-LUN-Dateien wiederherzustellen.

Diese iSCSI-Fragmente wurden ursprünglich vom QNAP-System verwaltet und "on the fly" kombiniert, so dass das Windows Server-System glaubte, es könne auf zwei bestehende LUNs zugreifen.  Den Datenrettungsexperten gelang es, diese iSCSI-LUN-Dateien zu einem einzigen NTFS-Volume zu kombinieren, nachdem die iSCSI-Dateien auf einen temporären SSD-Speicher kopiert worden waren.  Da in Windows Server auf diesem System auch die Deduplizierung aktiviert war, mussten die Techniker auf dieser sechsten und letzten Schicht arbeiten, um die betroffenen Daten zu finden und ein brauchbares NTFS-Volume zu erstellen. Dieses NTFS-Volume wurde dann von dem temporären SSD-Speicher auf ein neu erworbenes RAID-Speichersystem kopiert, das der Kunde einfach an sein Netzwerk anschließen konnte, um wieder auf seine Daten zuzugreifen.

Abschließende Analyse

Selbst mit hochspezialisierten Wiederherstellungstools dauerte die Wiederherstellung und das Kopieren dieser Datenmenge auf den neuen Sicherungsspeicher des Kunden mehrere Wochen.  Die abschließende Analyse zeigte eindeutig, dass der NAS-Server nicht korrekt eingerichtet war.  Obwohl dieses NAS-System über viele fortschrittliche Funktionen verfügte, mussten nicht alle von ihnen unbedingt genutzt werden.  Kleine bis mittelgroße Server wie dieser sind definitiv nicht so ausfallsicher wie High-End-Server, so dass die Verwendung der Deduplizierungsfunktion vielleicht keine so gute Idee war; sie machte die Datenwiederherstellung letztlich komplexer als nötig.  Und da Festplatten in den letzten Jahren erschwinglicher geworden sind, wäre es vielleicht besser gewesen, zusätzliche Festplatten zu kaufen, als die Datenstruktur unnötig zu verkomplizieren.