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Ontrack rettet Tapedateien mittels CM-Chipmodifizierung

Ja, es ist wahr: In vielen Fällen können Daten von Festplatten oder digitalen Magnetbändern ziemlich einfach auch von den betroffenen Nutzern mittels der vorhandenen Backupsoftware, verschiedener Betriebssystemtools oder kostenloser und im Internet frei verfügbarer Datenrettungssoftware wiederherstellen. Und es lässt sich bereits im Vorfeld testen, ob der Speicherträger überhaupt ansprechbar ist oder ob das Problem doch viel schwerwiegender ist und das Wissen eines typischen Nutzers oder Administrators deutlich übersteigt. Dann sollte man auf jeden Fall die Finger von einer Do-it-yourself Datenrettung lassen und – besonders wenn es sich um Tapes handelt – die Sache den Profis von Ontrack überlassen. So auch in diesem Fall:

Vor einigen Wochen bekam das deutsche Ontrack Team mehrere Magnetbänder aus einer Tape-Bibliothek zur Datenrettung zugeschickt. Insgesamt fast zweidutzend LTO6 Tapes eines osteuropäischen Microsoft Business Solutions Dienstleisters erreichten das Datenrettungslabor von Ontrack in Böblingen. Laut des Kunden wurden die Bänder mit wichtigen ERP- (Enterprise Ressource Planning) Datenbanken in der Tapebibliothek formatiert. Insgesamt waren rund 50 Terrabyte der Datenbank-Files betroffen. Vermutlich waren die Tapes Opfer einer mutmaßlichen Virus-Attacke oder einer gezielten Sabotage. Wie auch immer: Das Ergebnis war dasselbe. Der Kunde konnte nicht mehr auf die Bandinhalte zugreifen.

Auch für den zuständigen Tape-Datenretter handelte es sich nicht um einen einfachen und gewöhnlichen Fall. Durch die gezielte Formatierung wurden die Informationen auf den jeweiligen CM-Chips (Cartridge Memory/CM) auf RFID-Funk-Basis über den gespeicherten Inhalt gelöscht und damit alle Verweise auf die noch auf den Bändern verbliebenen Tape-Sets und die darin enthaltenen Datenbank-Dateien. Da mit den vorhandenen Chip-Informationen auf den Tapes somit kein Zugriff mehr möglich war, musste eine neue Lösung her:

Um den Inhalt eines unversehrten Tapes zu simulieren, wurde der Kunde um ein funktionsfähiges Tape gebeten. Anschließend entwickelte ein Mitarbeiter der Ontrack Forschungs- und Entwicklungsabteilung anhand des gelieferten Tapes neue Chip-Informationen für die gelieferten LTO6 Bänder, die anschließend auf die RFID-Chips übertragen wurden. Mittel der Chip-Modifikation war es schließlich möglich auf 18 der gelieferten Tapes zuzugreifen und die gespeicherten Tape-Sets und enthaltenen Datenbanken auszulesen und zu extrahieren. Insgesamt konnten rund 40 Terrabyte an Datenbankdateien von den Bändern wiederhergestellt und dem Kunden auf Festplatten nach kürzester Zeit per Kurier zugestellt werden.

Mehr Informationen zu der Funktionsweise von LTO Tapes und der Magnetband-Prüfung finden Sie auch hier: https://www.ontrack.com/de/blog/magnetband-pruefung-leicht-gemacht/2063/

Zusätzliche Informationen zu den Tapeservices von Ontrack Deutschland finden Sie hier:

https://www.ontrack.com/de/tape/

Bildnachweis: Ontrack Deutschland