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Tape-Services: Mehr als nur Daten von Magnetbändern retten

Über kaum ein anderes Speichermedium wird so leidenschaftlich gesprochen. Nein, nicht von der Cloud, sondern von dem Dinosaurier der Speichertechnik, dem Magnetband. Mal heißt es, dass dieses Medium und seine Technologie kurz vor dem Aussterben seien, mal heißt es, dass es noch für weitere Jahrzehnte im Einsatz sein wird.

In den vergangenen Jahren ist das totgeglaubte Medium wieder in der aktuellen Diskussion. Der Grund dafür ist das enorme und exponentielle Datenwachstum z.B. durch die Echtzeiterfassung von vielen Gerätedaten durch Sensoren oder durch die Eingabe von Nutzern in Webformularen. So werden eine Vielzahl von Daten in der Forschung durch Sensoren erfasst, durch Big Data Computer in Rechenzentren gefiltert und ausgewertet und anschließend gespeichert. Auch im E-Commerce-Handel oder bei Suchmaschinenbetreibern werden jeden Tag enorme Datenmengen erfasst und verarbeitet.

Die technischen Möglichkeiten, viele Daten zu sammeln und nutz- oder gewinnbringend zu verwenden, hat allerdings einen entscheidenden Nachteil: Mehr Daten bedeutet ein Mehr an zu speichernden Daten. Aber wo soll der zusätzliche Speicherplatz herkommen? Was für eine Privatperson vielleicht noch problemlos machbar ist, indem er entweder mehr Festplatten kauft oder seine Daten in die Cloud verschiebt, ist für Unternehmen – egal ob große oder kleine – nicht mehr möglich. Die Kosten dafür sind einfach zu groß.

Eine Lösung sind die Dinosaurier der Speichermedien – das Magnetband oder auch Tape genannt. Der Vorteil der Magnetbänder: Sie sind enorm langlebig und können bei sachgerechter Aufbewahrung mehr als 30 Jahre Daten speichern, die Medien als solche sind deutlich günstiger als z.B. HDD oder SSD Festplatten (zwischen doppelt und sechsmal günstiger im Vergleich zu HDDs und bis zu zehnmal günstiger als SSDs) und verbrauchen keinen bzw. deutlich weniger Strom, wenn sie nicht genutzt werden. Außerdem wurden in den letzten Jahren immer höhere Kapazitäten bei dem Speicherplatz erreicht, sodass der vormalige Vorsprung bei den Festplatten immer mehr geschmolzen ist.

Aus diesem Grund speichern beispielsweise – von vielen unbemerkt – große Rechenzentren von Google ihre Daten redundant auf Enterprise Tape Systemen. So sind sie sicher, dass die Daten bei einem Ausfall ihrer schnellen Festplattenserver wiederherzustellen sind. Das Kernforschungszentrum CERN in Genf in der Schweiz speichert viele ihrer erfassten Daten ebenfalls in einer riesigen Tape-Libary. Der Grund ist schlichtweg der, dass die Verarbeitung und Auswertung der Daten durch die Forscher trotz ihrer High-End-Rechner eine gewisse Zeit braucht und dass erstmal alle Daten solange gespeichert werden müssen, bis sie von ihnen für neue Berechnungen eingesetzt werden sollen. Die Forscher am Cern haben Im Juli vergangenen Jahres bereits den 200-Petabyte-Meilenstein an gespeicherten Daten erreicht. Es handelt sich also in beiden Fällen, um riesige Archivsysteme, die erst bei konkreten Bedarf angefordert werden.

Das Ende des Backup-Tapes – lang lebe das Archivtape

Anders als früher macht es heutzutage keinen Sinn mehr, tägliche, wöchentliche oder monatliche Backups auf einem Tape System zu speichern. Zwar gelten auch hier die gleichen Kostenfaktoren weiterhin, aber mit der neuen Datenschutzgrundverordnung DSGVO und der Forderung persönliche Daten in Emails und in anderen Dateien in kürzester Zeit zu finden und sicher zu löschen, ist, wenn es sich nicht um eine High-End-Tape-Libary handelt, die permanent verfügbar ist, ein Backup auf Tape nicht mehr praktikabel.

Archivtapes – also Magnetbänder, die z.B. Daten von bereits lang abgeschlossenen Projekten speichern oder auf die nicht oft zugegriffen werden müssen – werden auch in Zukunft ihre Daseinsberechtigung haben. Gerade hier spielt das Tape seine Stärken aus – Langlebig, großer Speicherplatz und Günstig.

Auch Archivtapes müssen gepflegt werden

Trotz der Tatsache, dass Tapes lange aufbewahrt werden können, bedeutet das nicht, dass diese auch nach 10, 20 oder 30 Jahren problemlos ausgelesen und weiter- bzw. wiederverwendet werden können. Dabei sind physische Probleme, wie bespielweise gerissene oder korrodierte Bänder bei richtiger Lagerung eigentlich selten ein Thema. Was allerdings häufig vorkommt, ist, dass schlichtweg nach dieser langen Aufbewahrungszeit weder die passende Hardware wie die Bandlaufwerke, die Treiber und die passendenden Übertragungskabel vorhanden sind, noch die jeweilige Archivsoftware mit denen die Daten auf die Bänder gespeichert wurden. Dazu kommt dann noch, dass manche dieser Archivlösungen – und in vielen Fällen auch alte Backupsoftwarelösungen – nicht mehr auf neuen Betriebssystemen laufen, sodass auch hier Herausforderungen entstehen.

Ein weiteres Problem kommt hinzu, wenn es sich um sehr alte Bändertechnologien oder -formate handelt, die bereits seit einigen Jahren nicht mehr genutzt werden. Manche diese Dinosaurier-Bänder wie z.B. ADR, AIT oder IBM 7-, 9- oder 18-Spur Tapes werden heute kaum noch genutzt und Ersatzteile für die passende Hardware deshalb auch fast nicht mehr verfügbar.

An Tape-Migration und andere Tape-Services frühzeitig denken

Viele Unternehmen haben bereits vor Jahrzehnten auf Tapes gesetzt und stehen jetzt in ihren Archiven vor einem Berg von nicht mehr lesbaren Magnetbändern. An dieser Stelle kommt ein spezialisierter Tape-Datenrettungsdienstleister wie Ontrack ins Spiel. Er verfügt nicht nur über funktionierende Magnetband-Hardware der letzten 40 Jahre, sondern auch über die passenden Archiv- und Backuplösungen, die früher eingesetzt wurden. So können diese sogenannte Legacy-Tapes von den Experten extrahiert und ausgelesen werden.

Wie auch bei der Datenrettung von einer Festplatte oder einem SSD-/Flash-Speicher werden die ausgelesenen Daten auf einen Server gespeichert und das Originalmedium nicht mehr angefasst, damit es keinen weiteren Schaden nimmt. Eine Datenrettung am Original sollte nämlich generell niemals durchgeführt werden.

Nachdem also alle Daten von einem oder mehreren Tape-Sets auf einen Server kopiert wurde, geht es anschließend an die Datenrettung. Und die kann entweder relativ einfach und schnell gehen oder eben schwer und zeitaufwendig sein. Wie auch bei einer Datenrettung von einer Festplatte kommt es auch hier sehr stark darauf an, was vor Jahren auf das Tape gespeichert wurde und mit welcher Backup- oder Archivsoftware. Je nachdem, welche mechanischen Beschädigungen das Band im Laufe der Jahrzehnte erlitten hat, hat das Auswirkungen auf die gespeicherten Daten. Diese müssen dann unter Umständen genauso wie bei jeder anderen Datenrettung auf der untersten Dateiebene mehr oder weniger aufwendig wiederhergestellt werden. Aus diesem Grund sollten die Archivschätze immer wieder überprüft werden.

Lieber früher als später Daten migrieren

In vielen Fällen liegen in den Tape-Archiven von Unternehmen wahre Schätze. Ob aus der Forschung und Entwicklungsabteilung oder aus der Produktion, die gesammelten Daten müssen nicht nur für spätere – eventuelle rechtlich vorgeschriebene – Untersuchungen verfügbar sein, sondern können auch für viele heutige Aufgabenstellung wichtig sein. In vielen Fällen – besonders wenn es sich um sensible Daten handelt – müssen diese für Jahrzehnte aufbewahrt werden. So können bei einem Flugzeugunfall oder einer Schiffs- oder Kraftwerkshavarie auf einmal 20 Jahre alte Daten enorm wichtig werden. Hier schnell heranzukommen, kann für ein Unternehmen dann überlebenswichtig sein.

Aus diesen Gründen ist es nicht nur sinnvoll, seine Bänder und die Hardware gemäß festgelegten Zeitintervallen auf Funktion zu prüfen. Sondern wenn es sich veraltete Tapes und Tape-Technologien handelt, die noch für viele Jahre aufbewahrt werden müssen, sollte man sich überlegen auf die neueste LTO-Tape-Speichergeneration zu migrieren. Der Vorteil einer solchen Migration ist, dass die LTO-Technologie mittlerweile zum Standard geworden ist, sondern das sich die neuen Bandlaufwerke mittels des seit einigen Jahren verfügbaren Linear Tape Filesystem (LTFS) quasi von jedem Netzwerk-Computer ansprechen lassen können und so die Daten besser als früher verfügbar sind.

Fazit:

Es gibt also viele Gründe warum Magnetbänder noch lange nicht verschwinden werden. Aber Tapes müssen, wie jedes andere Medium auch, an den ständig sich veränderten technologischen Fortschritt angepasst werden. Seine Tapes ins trockene Kellerarchiv zu packen, 30 Jahre zu warten und dann wieder rausholen, reicht definitiv nicht. Sein Archiv in genau festgelegten Zeitintervallen zu prüfen oder von einem auf Tape-Migration spezialisierten Datenrettungsdienstleister wie Ontrack auf die neueste Tape-Technologie „upzugraden“ macht in vielen Fällen sehr viel mehr Sinn, schützt das Unternehmen oftmals vor Strafen oder unterstützt die Mitarbeiter mit längst vergessenen aber immer noch wertvollen Informationen.

Mehr Information zu den Tape-Services von Ontrack finden Sie auch hier:

https://www.ontrack.com/de/tape/

Bildnachweis: Kroll Ontrack GmbH