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Backup für die Ewigkeit (1)

Welches Speichermedium eignet sich am besten für die Langzeitarchivierung?

Seit den Anfängen des Computerzeitalters stellt sich immer wieder die Frage, welche Medien am besten geeignet sind, um Daten für lange Zeit zu speichern. In den sechziger und siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts, als Unternehmen die ersten Computer anschafften, war es das Magnetband – nicht aufgrund ihrer eigenen Wahl, sondern weil die Hersteller das so anboten.

Die IBM oder HP Mainframe (Großrechner)-Systeme, die beispielsweise alle finanziellen Berechnungen einer kleinen Fabrik durchführten, waren so riesig, dass sie leicht einen einzigen Raum füllten. In vielen Fällen verwendete der Mitarbeiter – zum Beispiel der Finanzdirektor – auf diesen Systemen eine Software des Herstellers, um den neuesten Umsatz, die Ausgaben oder die Löhne zu berechnen. Da damals der Arbeitsspeicher der Computer sehr klein war, waren es auch die eingesetzten Programme. Um das Ergebnis dieser Berechnungen oder die endgültigen Daten zu speichern, wurden Magnetbänder verwendet.

Von Lochkarten zum Magnetband

Heutzutage denkt jeder, dass dies die erste Methode war, um Computerdaten zu speichern. Aber das ist nicht wahr: Eigentlich war das erste Computerspeichermedium aus Hartpapier – die sogenannte Lochkarte. Jedes Zeichen und jede Zahl wurde in einen Binärcode übersetzt und dann in eine standardisierte Lochkarte gestanzt. Diese Lochkarte wurde dann beim nächsten Mal vom Computer ausgelesen. Eine andere Variante dieses Verfahrens zum Speichern von Daten waren Stanzstreifen. Papierstreifen, die denen an der Supermarktkasse ähnelten, außer dass das Papier dicker war und Löcher hatte, die die binären Daten darstellten.

Dieses Speichermedium wurde bis Ende der sechziger Jahre von IBM oder Texas Instruments verwendet, bis das Magnetband um 1966 eingeführt wurde und eine breitere Akzeptanz bei den Kunden fand. Während dieses harte Lochkartenpapier lange Zeit halten kann – mehr als ein paar hundert Jahre und mindestens 50 Jahre (es hängt von der Zusammensetzung des Papiers ab, mit dem die Karte hergestellt wird) – ist allerdings der Speicherplatz begrenzt: Eine einzelne Lochkarte speichert 80 Byte an Daten. Eine Million Lochkarten würden daher nur 80 MB an Daten speichern. Alle diese Karten würden eine Höhe von 170 Meter erreichen, wenn man sie stapeln würde; bei einem Gesamtgewicht von 2500 Kilogramm. Kein Wunder also, dass diese Speichertechnologie keine Zukunft hatte.

Tapes von den fünfziger Jahren bis heute

Die ersten Magnetbänder, die auf dem Markt erschienen, waren IBMs 7-Spur-Bänder für IBM 701 und IBM 702 Mainframe-Computer aus dem Jahr 1954. Das Problem mit diesen ersten Großrechnern bestand darin, dass sie nur begrenzt verwendet werden konnten und nicht die gesamte Palette der von IBM verfügbaren Anwendungen abdecken konnten. Mit der Einführung des „System /360“ änderte sich dies und auch die Größe des verwendeten Bandes: Es hatte jetzt eine Breite von ½ Zoll (12,7 mm) und es konnten 8 Spuren zusammen mit einer Paritätsspur auf einer solchen Spule gespeichert werden. Es war die Einführung des sogenannten 9-Spur-Bandes.

Bis heute wurden fast 50 verschiedene Bandformate auf den Markt gebracht, wobei LTO 8 im vergangenen Jahr die neueste Erfindung war. Allen diesen Formaten ist gemeinsam, dass die Daten linear auf dem Band gespeichert werden, das eine magnetisierbare Partikelschicht aufweist. Das Bandmedium wird auch heute noch benutzt, obwohl jedes Jahr sein Tod angekündigt wird. Hersteller von Tapes bewerben jedoch ihre Produkte mit einer Haltbarkeit von mindestens 30 Jahren bei sachgemäßer Handhabung und Lagerung. Die meisten Experten sagen jedoch, dass die Wahrheit bei etwa 50 Jahren liegt. Ontrack Datenrettungsexperten haben vor einiger Zeit erfolgreich Daten von 7-Spur-Bändern wiederhergestellt, die bereits 60 Jahre alt waren.

Es dauerte eine ganze Weile bis Anfang der achtziger Jahre, als die ersten Desktop-Computer von Herstellern wie Apple, Atari, Commodore, Osborne, Radio Shack, Tandy, IBM, NEC, Sinclair, Panasonic und anderen eingeführt wurden. Mit diesen kleineren Geräten wurde das Speichern von Daten wieder zu einem Problem. Das ist der Zeitpunkt als zunehmend Festplatten und Disketten ins Spiel kamen.

Nächste Woche berichten wir dann über die Haltbarkeit von HDDs und (Flash-basierten) SSDs.

Bildnachweis: Ontrack Datenrettung